Herbstliebe erzählt die Geschichte von Carla, die eines Tages nicht mehr nachvollziehen kann, wie sie zu der Person geworden ist, die ihr aus dem Spiegel entgegenblickt. Im Laufe der Zeit hat sie gewisse Wünsche, Werte und Facetten ihrer Persönlichkeit tief in sich begraben. Als sie sich in einen jüngeren Mann verliebt, der sie anspornt aus ihrem Panzer auszubrechen, wagt sie sich Schritt für Schritt zu ihrem eigentlichen Ich zurück. Doch das Zulassen von Gefühlen bringt auch Schmerz und Unsicherheit mit sich. So kommt es, dass Carla zuerst schwerwiegende Entscheidungen trifft, bevor sie endlich nach ihren Vorstellungen leben kann.
Ulrike Linnenbrink präsentiert in ihrem Roman komplexe, lebensnahe Charaktere; allen voran Carla, die in ihrer Entwicklung so greifbar wird, dass sie einen noch lange nach der Lektüre beschäftigt. Herbstliebe verdeutlicht gekonnt die Schwierigkeit, vorgefertigte Meinungen und auferlegte Konventionen zu überwinden, wieviel Mut es dazu braucht, und schließlich, wie schön es sein kann, die eigenen Grenzen zu überwinden und Ja zu sagen zum Leben ... und zu der Liebe.
Loredana-N. Fernandez, Schmiedrued, 10. Februar 2010
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"Alt" und "Jung" sind Kategorien, die von den meisten Menschen des westlichen Kulturkreises in
gleicher Weise interpretiert werden. Anders ist es bei "warm" und "kalt", hier differenzieren wir
gleich und sprechen von "gefühlter" Temperatur.
Die Protagonistin im neuen Buch von Ulrike Linnenbrink, Carla Berger, wird von ihren Gefühlen überfallen, heftig und unerwartet. Sie erlebt, ungläubig zunächst, wie dieser Überfall ihr
wohlgeordnetes Lehrerinnen-Leben in Un-Ordnung bringt.
Gibt es denn in ihrer festgefügten Umwelt Platz für ein unwägbar Neues mit dem Potenzial, den zurechtgelegten Lebensplan über den Haufen zu werfen?, so fragt sie sich. Und woher sollte gerade
sie den Mut nehmen, gesellschaftlich sanktionierte Muster zu durchbrechen? Dies nach zwei
Scheidungen und bei einer Freundin, deren Herzschmerz-Geschichten bereits bedrohliche Folgen
angenommen hatten.
Carla wagt den Sprung ins Ungewisse und beschließt, ihrer Liebe zu einem 16 Jahre jüngeren Mann
eine Chance zu geben. Die Hündin Shira, lange die einzige Adressatin von Streicheleinheiten, hatte
Carlas Bedenken ohnehin von Anfang an schwanzwedelnd ignoriert.
Neues Leben zieht im Hause Berger ein und entrümpelt alles, was bis anhin unumstößlich schien. Die
sich nun entwickelnde stürmisch-zarte Idylle wird alsbald von plötzlich auftretenden
Ungereimtheiten gestört. Geoffenbartes steht schmerzhaft in Frage. Für Carla beginnt eine Zeit der
Unsicherheit und des Selbstzweifels. Um sich Gewissheit zu verschaffen, begibt sie sich auf einen
Weg, der Verstellung und Täuschung notwendig macht. Sie riskiert dabei ihre neugeschenkte
Lebenskraft, und sie tut es um den Preis von Wahrhaftigkeit. Ihr Handeln ist dabei ebenso radikal wie
die Liebe selbst.
Wen Verliebtheit überfällt und wer sich der Liebe öffnet, kommt in Kontakt mit tieferen Seins-
Schichten. Wesentliches wird sichtbar, spürbar, fühlbar. "Jung" und "Alt" sind keine maßgebenden
Konstanten mehr.
"Herbstliebe" begleitet einen tagelang. Der Text besticht durch die Fähigkeit der Autorin,
menschliches Verhalten präzise zu beobachten und weist Wege aus eigenen täglichen
Selbstbegrenzungen.
Das Buch verdient eine weite Verbreitung! Lesevergnügen und unvorhersehbare Aha-Erlebnisse sind
unausweichlich.
heja - Basel, 5. März 2010 |
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Flott und witzig geschrieben.
Carla erscheint einem gleich als gute Freundin. (Hast Du ihre Telefonnummer?)
Insa Segebade - Jegum, 2. März 2010
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Wem ist es schon gelungen, sich gegen die Liebe zu wehren? Liebe ist mächtiger als alle Lebensvorsicht und lässt Vorurteile wegen des Altersunterschiedes in den Hintergrund treten.
Eine Frau trifft einen Mann und verliebt sich in ihn. Eigentlich nichts Besonderes, denn es ist das ewig neue Spiel zwischen den Geschlechtern – schon seit alters her. In diesem Fall jedoch gibt es ein Problem, denn Paul ist 16 Jahre jünger als Carla, und auch wenn es heute immer "normaler" wird, dass eine ältere Frau sich mit einem jüngeren Mann zusammentut, ist es doch immer noch nicht so weit verbreitet und gesellschaftlich anerkannt wie im umgekehrten Fall. Ist Herz und Verstand aber einmal frei geworden für eine solche Beziehung, zählen diese Tatsachen nur noch am Rande. So auch bei diesem Liebespaar.
Carla gibt also Pauls charmantem Werben nach. Na endlich! mag man als moderne und aufgeklärte Leserin denken. Der Himmel hängt plötzlich voller Geigen, dort, wo es zuvor nur Brummbässe gab. Doch er ist nicht ohne Wolken. Immer wieder fallen Schatten auf Pauls Gemüt. Er erscheint zuweilen nachdenklich und abwesend. Er verschweigt etwas. Was mag dies nur sein?
Durch Neugierde und innere Seelennot getrieben, beginnt Carla nachzuforschen und kommt einem tragischen Ereignis auf die Spur, das in Pauls Leben noch immer nachhallt und die neu gefundene Liebe vor eine schwere Prüfung stellt.
Die Geschichte zeigt den Weg durch immer noch vorhandene gesellschaftliche Vorurteile gegenüber wirklich individueller Lebensgestaltung. Auf spannende, ja meisterhafte Weise erzählt der Roman von diesem Zwiespalt und dem Ringen um die Unabhängigkeit einer Frau, die sich im Leben bewährt hat, die aber mehr und mehr auch ein Anrecht auf die innere Freiheit in ihrer persönlichen Entwicklung geltend macht. Dass dieser spannende Weg nicht reibungslos vor sich geht, liegt in der Natur des Lebens.
Das Buch erscheint in einem leserfreundlichen Format und in angenehmer Gestaltung, schon die Coverabbildung weist den neugierigen Leser von "Herbstliebe" darauf hin, dass sich gegebenenfalls auf den Kopf stellen muss, wer dem Leben die Wendung geben will, die als die richtige empfunden wird.
©s.b. - Basel, d. 17. Februar 2010 |
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